Tradition und Moderne: Eine Taekwon-Do-Reise durch Korea

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Thank You Korea Tour 2015 - Ein Reisebericht aus einem fernen Land

Korea - Land der Morgenstille. Was wissen wir über dieses Land? Dass es in Ostasien liegt und an China und Japan grenzt? Dass es seit einem schrecklichen Krieg in Nord und Süd geteilt ist? Dass es die Heimat von Weltkonzernen wie Samsung und Hyundai ist? Welche Bilder entstehen im Kopf, wenn wir an Korea denken? Blühende Kirschen vor Tempelanlagen? Frauen und Männer in traditioneller Kleidung? Smartphoneversunkene Menschenmassen in der U-Bahn? All diese Klischees haben sicher ihre Berechtigung, aber geben sie ein vollständiges Bild dieses fernen Landes wieder?

Kurz nach Pfingsten hatte sich eine Gruppe von mehr als 40 Mitgliedern des International Taekwon-Do Black Belt Center e.V. nach Korea aufgemacht um zu trainieren und für sich herauszufinden, was das Land heute wirklich ausmacht, wie die Menschen leben. Unter den Teilnehmern aus Deutschland, Griechenland und Zypern waren auch Aktive des Schwabacher Taekwon-Do Centers in der Bahnhofstraße.

Taekwon-Do-Vorführung im Bulguksa-Tempel, der Wiege des Taekwondo.
Im Bulguksa-Tempel, der Wiege des Taekwon-Do

Hauptgrund für die Reise war ein Jubiläum: 1965, also vor 50 Jahren waren koreanische Demonstrationsteams nach Europa gekommen, koreanische Großmeister hatten die ersten Schulen eröffnet. Einer davon, Großmeister Kwon, Jae-Hwa spielte für viele Jahre eine zentrale Rolle beim Aufbau der fernöstlichen Kampfkunst in Europa, insbesondere in Deutschland. Einer seiner langjährigsten Schüler, Efstratios Papadellis, der Leiter des Black Belt Centers Erlangen und selbst bereits seit 45 Jahren aktiv dabei, wollte nun im Jubiläumsjahr "Danke!" sagen für 50 Jahre Taekwon-Do in Europa.

Ihren Anfang nahm die Rundreise nach einem zehnstündigen Flug in der Hauptstadt Seoul. Morgens um 06.00 Uhr begann das Frühtraining in einer hervorragend ausgestatteten Parkanlage, mitten zwischen den Hochhäusern. Während sich in Deutschland die meisten Menschen zu dieser Zeit gerade aus dem Bett quälen, waren in Seoul bereits zahlreiche Menschen mit Morgengymnastik beschäftigt, darunter auffällig viele im Alter von 60 Jahren und mehr. Die ersten Tage hielten ein umfangreiches kulturelles Programm bereit, welches die Gruppe in die über 4000-jährige koreanische Geschichte eintauchen ließ. Einer der Höhepunkte dieses ersten Reiseabschnittes war der Besuch des Kukkiwon, der Weltzentrale des Olympischen Taekwon-Do-Sportes. Dessen Präsident Jeong Mansoon ließ es sich nicht nehmen einer Vorführung der europäischen Taekwon-Do-Gruppe beizuwohnen und die Sportler willkommen zu heißen.

Frühtraining in einer Parkanlage zwischen den Wolkenkratzern der koreanischen Hauptstadt SeoulGruppenfoto mit dem Präsidenten des Kukkiwon Herrn Jeong Mansoon
Frühtraining im Park und Gruppenfoto mit dem Präsidenten des Kukkiwon Herrn Jeong Mansoon

Dann ging es ins Landesinnere, nach Muju, ins neue internationale Taekwon-Do-Trainingszentrum mitten in den Bergen. Das Taekwondowon wurde erst 2013 eröffnet und bietet den Aktiven aus aller Welt beste Möglichkeiten intensiv zu trainieren, aber auch zu entspannen und zu sich selbst zu finden. Beginnend um 5.00 Uhr morgens, galt es hier ein tägliches Trainingspensum von bis zu sieben Stunden zu bewältigen. Wie die Taekwon-Do-Sportler erfahren konnten, bietet das koreanische Essen, zu dem bei jeder Mahlzeit auch Reis und Kimchi gehören, dafür eine perfekte Grundlage, da es gesund, nahrhaft und gleichzeitig leicht verdaulich ist. Abschließender Höhepunkt im Taekwondowon war die Prüfung von fünf Schulleitern zum 5. Dan. Sie alle können bereits auf eine Taekwon-Do-Erfahrung von ca. 30 Jahren zurückblicken. Nun haben sie in der zentralen Arena des internationalen Taekwon-Do-Zentrums den Großmeistertitel im Traditionellen Taekwon-Do erlangt.

Gruppenfoto im TaekwondowonIn der Empfangshalle des Taekwondowon
Im Taekwondowon, dem neuen internationalen Trainingszentrum in den Bergen von Muju

Im Anschluss an den Aufenthalt in Muju ging die Reise weiter nach Busan, mit 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Wichtiger Termin dort war eine Taekwon-Do-Vorführung im Rathaus der Metropole. Hochrangige Vertreter der Stadtverwaltung nahmen die Grüße der Taekwon-Do-Sportler entgegen und präsentierten der Gruppe eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit dieses asiatischen Logistik-Zentrums und ihre Pläne für die Zukunft. Mit einem Frühtraining am Strand der Stadt, eingerahmt von zahllosen Wolkenkratzern, verabschiedete man sich von der Millionenstadt.

Empfang im Dachgarten des Rathauses von BusanFrühtraining am Strand mit den Wolkenkratzern von busan im Hintergrund
Empfang im Dachgarten des Rathauses von Busan und Frühtraining am Strand

Als Kontrastprogramm ging es weiter zur Seokguram-Grotte und zum Bulguksa-Tempel, zwei wichtigen Orten in der koreanischen Geschichte. Sie gelten als Meisterwerke buddhistischer Architektur in Korea und sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Und hier liegen auch die Wurzeln des Taekwon-Do. Im 7. Jhdt. entstand als Reaktion auf Interventionen von außen im damaligen Silla-Reich, eine Jugendbewegung zur Verteidigung des Landes. Durch die Hwarang-Do wurden die koreanischen Kampfkünste stark weiterentwickelt und verbreitet. Sie waren damit einer der wichtigsten Wegbereiter für das heutige Taekwon-Do. Um die alten Meister zu ehren, führte die Taekwon-Do-Gruppe am historischen Ort eine Vorführung durch, welche von zahlreichen Zuschauern bestaunt wurde.

Die Taekwon-Do-Gruppe auf dem Weg zur Seokguram-GrotteTaekwon-Do-Vorführung im Bulguksa-Tempel
Die Taekwon-Do-Gruppe auf dem Weg zur Seokguram-Grotte und Vorführung im Bulguksa-Tempel

Schließlich führte die Reiseroute in einen buddhistischen Tempel, wo dieTeilnehmer mit dem Klosterleben bekannt gemacht wurden. Bei einer Übernachtung einzutauchen in die dortige Stille war für viele eine weitere schöne Möglichkeit mit Geschichte und Kultur des Landes in Berührung zu kommen. Die intensiven philosophischen Gespräche mit einem der Mönche ermöglichten es, die Sichtweise des Buddhismus auf die Welt kennen zu lernen und zu verstehen, welche verbindende Wirkung menschliches Mitgefühl haben kann.

Templestay - Eintauchen in Ruhe und GelassenheitTemplestay - Meditation, Ruhe und Gelassenheit
Templestay - Eintauchen in Ruhe und Gelassenheit

Als letzte Station der großen Thank-You-Korea-Tour ging es zurück nach Seoul, wo zum Abschluss die Gassen von Insa-Dong, einem historischen Viertel mit traditionellen Teehäusern, Antiquitäten, typischen koreanischen Restaurants und zahlreichen Souvenirläden, zum Bummeln einluden. Hier wurden letzte Mitbringsel erworben oder einfach die Atmosphäre genossen, bevor die Gruppe am nächsten Tag die Heimreise antrat.

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Das Straßenleben in Korea: Essen in Busan und Bummeln in Seouls beliebtem Viertel Insadong

Die Taekwon-Do-Gruppe unter Leitung von Großmeister Papadellis ist nach ihren vielfältigen Erlebnissen auf dieser beeindruckenden Reise durch das fernöstliche Korea nun sicher viel besser vorbereitet, wenn man sie fragt: Korea - Was weißt Du über dieses Land?

Gruppenfoto der Taekwon-Do-Sportler vor dem ehemaligen Königspalast in Seoul
Gruppenfoto der Taekwon-Do-Sportler vor dem ehemaligen Königspalast in Seoul